Jugendbegegnung in Rumänien, April 2015

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Unsichtbare Grenzen und neue Perspektiven – Eine gelungene interkulturelle Jugendbegegnung

Fulda/Cluj-Napoca

Acht Tage gemeinsam unterwegs in Cluj-Napoca. Acht Tage, in denen es viel zu entdecken und erleben gilt. Über sich selbst und auch über die eigene Gruppe. Und über das noch junge EU-Mitglied Rumänien, dass oft noch so fremd erscheint. Mit gespannter Neugier haben sich eine Gruppe mit zwölf Jugendlichen und Mitarbeitern von Streetwork Aschenberg auf dem Weg gemacht, um eine Jugendbegegnung in Rumänien zu erleben. Im Gepäck hatten die Jugendlichen Hilfsgüter und einen Tischkicker, die einem Kindergarten in einer von prekären Bedingungen geprägten Siedlung von Roma am Stadtrand von Cluj-Napoca gespendet wurde.

Jugendbegegnungen zwischen Fulda und Cluj-Napoca/Rumänien haben eine lange
Tradition. Seit nun fast 25 Jahren besteht die Verbindung zwischen beiden Städten.
Getragen wird die Jugendbegegnung in Fulda von Streetwork Aschenberg, dem
Jugendwerk der Arbeiterwohlfahrt und dem Fuldaer Verein YouRoPa e.V.. In diesem Jahr stand die Begegnung auch unter dem Motto neue Partnerschaften für zukünftige Zusammenarbeit zu finden. Zu diesem Zweck wurde unter anderem ein Schulprojekt in Cluj-Napoca besucht, dass sich um Straßenkinder kümmert und ihnen hilft einen Bildungsabschluß zu erhalten. Bei einem Fußballspiel sowie gemeinsamen Kochen und Mahlzeiten kamen sich die Jugendlichen aus Fulda und Cluj-Napoca näher. Als besonders intensiv wurde eine weitere Begegnung mit einem sozialen Projekt zur Armutsbekämpfung von Sinti und Roma empfunden. Das Projekt hilft, vom rumänischen Staat ignorierten, Menschen, die in unmittelbarer Nähe von Cluj-Napoca in Pata-Rat leben. Auf dem Gelände einer städtischen Müllkippe leben etwa 400 Menschen vom sammeln und verwerten der Müllabfälle. In verschlagartigen Hütten und zeltähnlichen Behausungen ohne Zugang zu Elektrizität, Wasserversorgung sowie Kanalisation, ohne Schutz und Wärme durch feste Wände, Fenster und Türen. Zugang zu Wasser für die nötigsten Zwecke gibt es durch eine einzige Wasserpumpe an der Straße. Für die Bewohner der Ansiedlung ist die Müllkippe oft einzige Möglichkeit durch die Fundstücke an
Dinge des täglichen Bedarfs zu kommen. Ansonsten gibt es prekäre Gelegenheitsarbeiten, wie das Umgraben von Müll und ähnliches. Die zahlreichen Kinder der Familien gehen kaum zur Schule. Die Bewohner haben wenig Perspektive, leben von Tag zu Tag. In unmittelbarer Nähe hat die Diakonie ein Grundstück gekauft und einen einfachen Kindergarten eingerichtet. Ziel ist es den Kindern der Siedlung über Partizipation an den Kindergartenangeboten eine Perspektive auf späteren Schulbesuch und eine spätere berufliche Zukunft zu geben. Die städtische Müllkippe steht seit 2002 unter drohender Schließung und soll durch eine EU-Norm-kompatible ökologische Müllverwertungsanlage ersetzt werden.
Die Jugendlichen konnten Einblicke in die Arbeit des dortigen Kindergartens gewinnen und Hilfsgüter, sowie Essen verteilen. Auch ein Tischkicker des Jugendladens Aschenberg wurde übergeben, nachdem er zuvor von den Jugendlichen montiert wurde.

Die Fahrt selbst führte die Jugendgruppe raus aus der Komfortzone und war war für alle Beteiligten eine Horizonterweiterung. Sei es die Überwindung von Sprachbarrieren in Ungarn und Rumänien oder die Erfahrungen nicht ständig das Internet eines Smartphones zur Verfügung zu haben. Während auf der Hinfahrt noch geäußert wurde: „ich fühle mich so einsam ohne Nachrichten auf meinem Handy“, so wurde im Laufe der Tage ohne Internet, dass Smartphone nur etwas „wie eine Uhr oder Taschenlampe“. Nicht nur hier wurde das Thema „Verzicht“ präsent. Die ständige Auseinandersetzung mit neuen Menschen stellte die eigenen Bedürfnisse oft hinten an, wenn es galt in der Gruppe etwas zu erleben. Auch die Gestaltung des Alltags in der Gruppe lag in der Eigenverantwortung der Jugendlichen. Es galt Verantwortung zu übernehmen für das Miteinander in der Gruppe.
Auch kulturelle Angebote standen auf dem Programm. Neben Stadterkundungen in Cluj- Napoca, wurde auf der Rückfahrt zwei Tage in Budapest Halt gemacht. Es gab ausgiebig Zeit, die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu erkunden und ihre Atmosphäre wirken zu lassen. Am Schluss der Reise war für alle Beteiligten klar, das im heutigen Europa Staatsgrenzen oft problemlos überquert werden können, die unsichtbaren Grenzen der Lebenswelten jedoch nicht so einfach.
Beim abendlichen Austausch konnten eben jene Erfahrungen der Tage reflektiert werden und es wurde deutlich, wie wichtig die Erlebnisse für jeden Einzelnen der Gruppe war. Während der Fahrt wurde von den Jugendlichen auch eine Videodokumentation und ein Videotagebuch erstellt, dass einen Film ergeben wird, der noch öffentlich im Fuldaer Stadtteil Aschenberg gezeigt werden soll.
Damit möglichst viele Jugendliche auch in Zukunft noch solche Fahrten unternehmen können, sucht der Verein YouRoPa e.V. in Fulda noch Sponsoren und Förderer, die mithelfen, auch in Zukunft interkulturelle Begegnungen zu ermöglichen.

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